Uwe Günter-von Pritzbuer beim Golfschwung

Der Autor

Uwe Günter-von Pritzbuer

Manchmal genügt ein einziger Moment, um ein neues Kapitel im Leben aufzuschlagen. Für mich war dieser Moment das Jahr 2017 – und ein kleiner weißer Ball.

Als ich zum ersten Mal einen Golfschläger in der Hand hielt, ahnte ich nicht, dass mich dieses Spiel nicht mehr loslassen würde. Golf zog mich sofort in seinen Bann. Nicht wegen der Technik allein, sondern wegen der Tiefe dahinter.

Ich sah das Spiel von Anfang an durch zwei Perspektiven: die des neugierigen Golfanfängers und die meines beruflichen Weges als Volljurist, Dozent, Autor und Vertriebs-Trainer für Kommunikation, Verhaltenspsychologie und emotionale Intelligenz.

Eine ungewöhnliche Kombination. Auf dem Golfplatz erwies sie sich allerdings als erstaunlich nützlich – vor allem, wenn man mit sich selbst verhandeln muss.

Über mehr als 35 Jahre habe ich mich beruflich damit beschäftigt, wie Menschen denken, fühlen, entscheiden und handeln. Ich habe Menschen beobachtet, Muster erkannt, Verhalten analysiert und erlebt, wie stark innere Überzeugungen unser Handeln beeinflussen.

Und dann stand ich plötzlich auf einem Golfplatz, der genau das alles spiegelte.

Klarer. Ehrlicher. Und manchmal schonungsloser als jeder Seminarraum.

Denn Golf ist mehr als ein Sport. Der Platz wird zum Spiegel für Ziele, Druck, Selbstvertrauen, Fokus, emotionale Stabilität, Entscheidungskraft, Fehlerkultur, Führung und Selbststeuerung.

Auf dem Golfplatz begegnen uns dieselben Themen wie im Berufs- und Privatleben. Nur kann man ihnen dort deutlich schlechter ausweichen.

Ein schlechter Schlag interessiert sich schließlich nicht für unsere Erklärungen.

Je intensiver ich mich mit Golf beschäftigte, desto größer wurde meine Neugier. Ich studierte Trainingsvideos, las Fachliteratur, beobachtete Spieler und analysierte Situationen, in denen Können plötzlich nicht mehr abrufbar war.

Ich hörte Ausreden, die als Erklärungen daherkamen. Ich sah Spieler, die lieber den Schläger wechselten als ihre Überzeugungen. Und ich stellte Fragen – besonders gern zwischen zwei Schlägen. Denn dort werden Antworten manchmal erstaunlich ehrlich.

Dabei wurde mir zunehmend klar: Golf wird häufig als Technikproblem behandelt, obwohl viele Probleme ganz woanders entstehen. Nicht nur in der Bewegung. Sondern in Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Emotion, Entscheidung und Vertrauen.

Genau hier treffen meine beiden Welten aufeinander: meine jahrzehntelange Beschäftigung mit menschlichem Verhalten und meine Leidenschaft für Golf.

Daraus entstand die Idee zu „Spielintelligenz“.

Kein Technikbuch. Kein Mentaltraining mit Wohlfühlgarantie. Und schon gar kein Sammelsurium gut gemeinter Golfweisheiten. Sondern der Versuch, Golf aus einer anderen Perspektive zu betrachten: als Zusammenspiel von Technik, Wahrnehmung, Denken, Emotion und Verhalten.

Im Mittelpunkt steht eine einfache Überzeugung: Golf wird nicht erst entschieden, wenn der Schläger den Ball trifft. Die entscheidenden Weichen werden vorher gestellt – in dem, was wir wahrnehmen, in dem Bild, das wir erzeugen, in dem Gefühl, das wir zulassen, und in der Entscheidung, die wir treffen.

Denn wer seinen inneren Film nicht im Griff hat, sollte sich nicht wundern, wenn der Ball einen anderen Film spielt.

Als Trainer habe ich gelernt: Wissen allein verändert noch kein Verhalten.

Deshalb geht es auch bei „Spielintelligenz“ nicht darum, möglichst viel über Golf zu wissen. Es geht darum, Wissen in Können zu verwandeln – und Können auch dann abrufen zu können, wenn Druck entsteht.

Für mich ist das die spannendste Seite dieses Sports. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum mich Golf bis heute nicht loslässt: Man arbeitet ständig am eigenen Spiel. Und irgendwann merkt man, dass man dabei vor allem an sich selbst arbeitet.